Nachdem sich am Abend die Wolken verzogen hatten, machte ich mich auf den Weg zu meinem Beobachtungsplatz. Oben angekommen
war es sehr windig und die Temperaturen sanken im Laufe der Nacht auf knapp -2°C ab. Nachdem ich alles aufgebaut hatte,
justierte ich mein Teleskop zum ersten mal mit einer Filmdose und war sehr überrascht, dass die Genauigkeit so gut ist, dass
ich nicht mehr am Stern justieren musste. Auch in der zweiten Nacht war dies der Fall, so dass ich jetzt noch mehr davon
überzeugt bin, dass ein Laser nur Spielzeug und absolut unnötig ist. ;) Außerdem konnte ich heute meine Nachführplattform so
richtig austesten und ich muss sagen: cool! Auch wenn sie nicht ganz 100%ig eingenordet ist, bleibt ein Objekt bei über 300x
mehrere Minuten lang in der Mitte des Gesichtsfeldes! Einfach klasse!!!! :)))
Weil der Himmel zu Beginn alles andere als gut war (fst 5m7, später 6m1), schaute ich mir zuerst ein paar hellere
Sternhaufen in der Cassiopeia an. Ich wollte nämlich mal ausprobieren, was man unter einem sehr schlechten Himmel mit einem
18 Zoll noch sehen kann. Erstaunlicherweise ist das sehr viel. So zeigte sich Messier 103 wunderbar aufgelöst und im
Zentrum war der sehr helle, orangefarbene Stern zu sehen. Aber auch NGC 654 war sehr schön zu sehen und klebte als
kleiner Haufen neben einem gelben Stern. Der nächste Sternhaufen war NGC 663, der wie immer durch das helle Gefunkel
von bläulichen Sternen beeindruckt.
Danach schwenkte ich ins Sternbild Fuhrmann. Den Anfang machten die drei großen Aurigahaufen, die natürlich klasse
rüberkamen. Nachdem ich mir den kleinen, länglichen PN IC 2149 angeschaut hatte, dobste ich weiter zu NGC 2126,
ein kleiner Sternhaufen aus weißlichen Sternen, der sich neben einem helleren befindet. Hier kann man ruhig ein wenig höher
vergrößern, denn dann löst sich der Haufen in 20- 30 Sterne auf. Viel schwächer dagegen war NGC 1883, der sich in der
Nähe von Capella befindet. Hier konnte ich bei 210x knapp 10-15 Sterne vor einem körnigen Hintergrund zählen. Weiter südlich
liegt Collinder 62, der aus vielen schwachen Sternen besteht, die sich um einen hellen gruppieren. Der Haufen als
solcher ist nicht einfach zu erkennen, weil er sehr schwach konzentriert erscheint. :( Dafür ist NGC 1857 wieder ein
richtig tolles Objekt. Hier drängen sich 20-30 Sternchen um einen hellen, orangefarbenen herum. Echt klasse und nur zu
empfehlen! :)))
In den Zwillingen besuchte ich zuerst den Kometen Lulin, der mittlerweile ziemlich viel an Helligkeit verloren hat.
Nur noch 8mag ist er hell. Auch der Schweif ist nur noch über eine Länge von 15-20' zu sehen. Schon krass, wie er sich in den
letzten drei Wochen verändert hat. Wenn das so weitergeht, ist in zwei Wochen außer einem diffusen Fleckchen nix mehr zu
wollen.
Nachdem ich mit meinem 20er Swan in den Sternfluten von Messier 35 ertrunken bin, schaute ich mir NGC 2158,
den kleinen Nachbarhaufen an. Bei 210x bot sich ein toller Anblick. Der Sternhaufen war bis ins Zentrum aufgelöst, der
Hintergrund erschien aber weiterhin körnig. Zum Glück hatte ich meine Nachführplattform dabei, so dass ich einfach dasitzen
und das Gefunkel auf mich wirken lassen konnte. Nie mehr ohne Plattform, das ist eins, was sicher ist. :))) Danach hab ich mir
den Eskimonebel angeschaut, den ich auch mal bis auf 310x vergrößert hab. Hier kam ohne Filter der innere Ring richtig
gut zur Geltung und im äußeren Halo konnte ich eine hellere Stelle erkennen. Im Zentrum natürlich der sehr helle Zentralstern,
ein weißer Zwerg. Oberhalb von eps Gem schaute ich mir den offenen Sternhaufen NGC 2266 an, der dreieckig erscheint, an
einem hellen Stern klebt und aus 40 mittelhellen Sternen besteht. Ganz anders dagegen NGC 2129. Klein, aber fein. Zwei
sehr helle Sterne stechen wie zwei Augen aus dem Rest heraus. Die anderen Sterne sind ebenfalls recht hell, weißlich und mäßig
konzentriert. Weiter oben findet sich NGC 2420, der wohl bald zu meinem Lieblingshaufen wird. Bei kleiner Vergrößerung
sieht er aus wie feiner Glitzerstaub und löst sich bei 200x in einen sehr reichen, offenen Haufen auf. Nachdem ich mir den
wunderbaren Doppelstern Castor angeschaut hatte, wollte ich noch kurz zur „Erdnuss“ NGC 2371/72. ;)) Bei 200x mit UHC
war ein sehr schöner Nebel zu sehen, dessen zwei Knubbel sehr verschieden aussahen. Außerdem ist mir endlich mal der
Zentralstern aufgefallen, auf den ich bisher nie geachtet hatte. :) Im Sternbild Luchs schaute ich mir dann noch schnell den
intergalaktischen Wanderer NGC 2419 an, ein Kugelsternhaufen in 300.000 Lichtjahren Entfernung. Auch bei 310x konnte
ich beim besten Willen keine Einzelsterne erkennen. Eigentlich schade, denn iwie hatte ich darauf gehofft. :((
Nachdem ich mir noch kurz die „kosmische 37“ NGC 2169 im Sternbild Orion angeschaut hatte, ging es weiter ins
Sternbild Krebs. Besonders schön fand ich den Doppelstern theta Cnc, der aus einer gelben und einer bläulichen
Komponente besteht. Messier 44 glitzerte fröhlich vor sich hin und weiter unten zeigte sich Messier 67 von
seiner besten Seite. Schon cool, wie viele Sterne bei 200x zu sehen sind. Leider hab ich wieder mal vergessen, mir NGC 2775
anzuschauen. Die steht nämlich noch in meinem Buch von früher drin. Beim nächsten Mal muss ich da echt dran denken.
Dann ging es endlich ins Sternbild Löwe, wo ich mir zuerst Saturn anschaute. Das Seeing war wirklich klasse, so
dass ich locker bis 310x gehen konnte. Mit der Nachführplattform war es ein Genuss, sich den Ringplaneten anzuschauen. Die
Ringe sind schon wieder viel weiter offen als noch vor ein paar Wochen, so dass man gut hindurch schauen konnte. Auf der
Planetenkugel waren mehrere Bänder zu sehen, auch die unterschiedliche Farbe der Polarkalotten kam gut raus. Daneben ein
fröhlicher Reigen von kleinen Saturnmonden, deren Position zueinander sich im Laufe der Nacht sichtbar änderte.
Nun verließ ich das Sonnensystem, um mir im Löwen ein paar schöne Galaxien anzuschauen, die ich noch zeichnen wollte.
Schließlich hab mit 18 Zoll nun genug Öffnung, um aus ehemals blassen Fleckchen wunderschöne Objekte mit viel Struktur werden
zu lassen. :))))))) Den Anfang machte NGC 2903, die sich mit zwei S-förmigen Spiralarmen und eine Dunkelstruktur sowie
einem Knoten im Halo zeigte. Weiter im Osten fand sich Hickson 44, eine wunderbare Galaxiengruppe aus vier Galaxien,
die allesamt recht hell sind. Bei NGC 3190 war sogar das feine Staubband zu sehen. Nachdem ich einen kurzen Blick auf
das „kosmische Ausrufezeichen“ geworfen hatte, machte ich mich an die Zeichnungen vom Leo- Triplett. Besonders Messier 66
hatte es mir mit ihrem weit auslaufen Spiralarm angetan. Einfach wunderschön. Aber auch das Staubband in NGC 3628
kam pechschwarz wie die Nacht rüber und die Enden fächerten sich anmutig auf.
Im Sternbild kleiner Löwe besuchte ich noch kurz NGC 3003, weil mir auf einer Zeichnung davon zwei Knoten
aufgefallen waren und ich schauen wollte, ob ich die auch sehen kann. Und ja, sie waren zu sehen:
Weil ich schon mal in der Ecke war, schaute ich mal bei Abell 779 vorbei, allerdings ohne genaue Aufsuchkarte.
Immerhin ist mir gleich aufgefallen, dass sich bei NGC 2832, die übrigens ziemlich hell erschien, ziemlich nah dran zwei
kleinere Galaxie tummeln. Aber auch sonst findet man hier beim Abscannen immer mal wieder kleine rundliche Blobs. Ein wenig
enttäuscht war ich von NGC 2859, von der ich bisher schon einiges gelesen hatte. Iwie dachte ich, dass sie heller und
größer wäre, aber dem war leider nicht so. Hell war sie ja, aber auch ziemlich klein. :( Dafür war NGC 2683 ein
richtiger Kracher. Ziemlich länglich, hell und an einer Seite von einem wunderbaren Staubband flankiert. Ein wirklich
wunderschönes Objekt!!! Als nächstes ging es zur Bärentatzen Galaxie NGC 2537, bei der mir bei der letzten Beobachtung
ein Knoten entgangen ist. Das wollte ich jetzt nachholen und tatsächlich: Ein Knoten! ;) Die Form fand ich dieses Mal nicht so
einfach erkennbar. Oben in Uma machte ich noch schnell einen Abstecher zu NGC 2841, bei der ich an der Seite zum hellen
Stern ein schwaches Staubband sehen konnte.
Weiter ging die Galaxienjagd im Sternbild „Haar der Berenice“. Hier zeichnete ich zuerst Messier 100 mit ihren
wunderbaren Spiralarmen, die sich um den Kern wanden und teilweise hellere Stellen offenbarten. Ebenfalls wunderschön
anzusehen war Messier 99, die mir ihre drei weit geöffneten Spiralarme präsentierte. Auch hier konnte ich hellere
Stellen und sogar einen Knoten erkennen.
Einen ganz besonders schönen Anblick bot NGC 4565, die sich als extrem lange Lichtnadel mit einem dicken Staubband
in der Mitte zeigte. Manchmal meinte ich sogar, im Staubband selbst Helligkeitsvariationen zu sehen, eine Art Mottling. Sah
einfach genial aus. Dann schaute ich nochmal bei den Mäusen vorbei, die es mir wirklich angetan haben. Das Seeing war
ziemlich gut, so dass ich locker auf 300x vergrößern konnte. Damit war dann auch der kleine Gezeitenschweif sehr gut zu
erkennen. Nur der Himmel hätte noch ein bisschen dunkler sein können. Und weil Galaxien so schön sind, ging es weiter zu
Messier 64, der Galaxie mit dem teuflischen Auge. Das Staubband wand sich pechschwarz um den hellen Kern und der Halo zog
sich weit nach außen. In ungefähr so, wie man es von Fotos her kennt. :)) Nachdem ich mir bei 210x einen wunderbar aufgelösten
Kugelsternhaufen Messier 53 angeschaut hatte, bin ich bisschen weiter nach Norden zum Coma- Galaxienhaufen
gedobst. Was mich hier erwartete, zog mir dann wirklich fast die Schuhe aus. Ich hatte mir einen Ausdruck gemacht, auf dem
ich Galaxien bis knapp 16mag eingezeichnet hatte. Und so konnte ich in einem Gesichtsfeld von einem Grad, von wirklich nur
einem Grad innerhalb weniger Minuten an die 50 Galaxien zählen!!!! :))) Das war echt der Wahnsinn. Allein die zweit hellste
Galaxie NGC 4874 ist von fast 10 schwachen Blobs umgeben. Da kommt man aus dem Staunen fast nicht mehr heraus.
Den Rest der Nacht verbrachte mit den schönsten Galaxien am nördlichen Himmel, angefangen von Messier 51 mit ihren weit
geöffneten Spiralarmen bis hin zu Messier 63, 64, den dunklen Staubbändern von Messier 82 usw. Gegen 02 Uhr morgens hab ich
mir dann noch einen Blick auf den aufgehenden Kugelsternhaufen Messier 13 gegönnt. Die Luft stand förmlich und so saß ich
einfach nur da und ließ bei 310x den Anblick dieser gewaltigen Sternkugel auf mich wirken. Die Nachführplattform tat ihren
Dienst und so konnte ich einfach nur dasitzen und fühlte mich fast erschlagen von dieser wunderschönen Glitzerkugel, die fast
das ganze Gesichtsfeld mit funkelnden Sternen ausfüllte. Ich konnte mich wirklich nur sehr schwer davon losreißen, aber iwann
ist auch der schönste Moment vorbei.
Dann packte ich meine Sachen zusammen und fuhr nach Hause. Eine wunderschöne Nacht ging vorbei und die nächste sollte schon bald folgen...